2017/2019_RADIO_Du bist mehr als Dein Tod_RBB-MDR-NDR_53 Min.

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Neben dem Krebstagebuch (2006) ist die Suizid-Sendung mein persönlichstes Werk. Sie bildet zugleich den Abschluss der Reihe der Radiofeatures, wohl auch, weil es für mich so etwas wie mein Meisterstück geworden ist. Ich hatte das Thema jahrzehntelang in mir getragen, bis es in eine Gestalt fand. Ähnlich wie bei Hesses Goldmund: Ich schnitzte und arbeitete, bis der Kern allmählich hervortrat: die unzerstörbare Liebe zu meinem Bruder.

Die Umsetzung der Manuskripts in ein Hörstück ist exzellent gelungen, dank der hervorragenden Redakteurin Mareike Maage und der ebenso hervorragenden Regisseurin Marion Czogalla. Zudem: Die Besetzung des Hauptsprechers mit Jörg Schüttauf hätte passender nicht sein können.
Für die Produktion hatte ich zwei Wünsche geäußert: keine Digitaltöne/-geräusche (wie sie heute selbstverständlich sind) und ein Stück von den Doors, deren Sänger Jim Morrison, den ich sehr verehrt habe, mit 27 Jahren starb – ebenso wie mein Bruder (das Phänomen Klub 27 wird in dem Feature gestreift). Meine Wünsche wurden tatsächlich berücksichtigt – was beileibe nicht selbstverständlich ist.  Was die Doors-Songs angeht, hatte ich an Light My Fire gedacht. Stattdessen wurde es L.A. Woman, was sogar besser passt, weil mein Bruder ein Jahr in Los Angeles gelebt hatte.

Aus meinem Umfeld habe ich zu dem Feature sehr viel berührende Resonanz erfahren – und fast überrascht registriert, wie viele Menschen in der einen oder anderen Weise von dem Thema „Suizid“ betroffen sind, aber normalerweise kaum darüber sprechen.

Den Anstoß zu dem Werk hatte mir das Buch „Am Beispiel meines Bruders“ von Uwe Timm gegeben. Mich faszinierte und berührte die Geschichte über den im Krieg umgekommenen Bruder und wie sie geschrieben ist: einfühlsam, packend und zugleich präzise und verdichtet.